Falcon Perspectives - Mai 2010
Investment Compass gewährt Einblick in die Anlageentscheide unserer Spezialisten.
investment Compass - MAI 2010
Schuldkrise - Chancen und Risiken
Die Unsicherheiten, welche aufgrund der Schuldenkrise in der Eurozone entstanden sind, halten die internationalen Finanzmärkte seit mehreren Wochen in Atem. Der europaweite Rettungsschirm im Umfang von € 750 Mrd. und die Massnahmen der Europäischen Zentral Bank (EZB), Staatsanleihen am Markt zu kaufen – vermochten sich die Börsen nicht nachhaltig zu beruhigen. Schuldenkrisen sind für die Weltwirtschaft nichts Neues. Keine der Krisen ging ohne Schuldenrestrukturierung vonstatten, es waren immer Laufzeitverlängerungen, Zinssatzminderungen oder Reduktionen der Rückzahlungsbeträge involviert. In allen Krisen gab es massive Währungsabwertungen, welche die internationale Konkurrenzfähigkeit der krisengeschüttelten Staaten und Regionen wieder herstellten.
Die Frage ist berechtigt, ob wir es hier mit der ersten Schuldenkrise zu tun haben, in welcher keine Schuldenrestrukturierung nötig sein wird. Die EU setzt alles daran, dies zu vermeiden, und hat zu diesem Zwecke die riesigen Garantiesummen bereitgestellt. Sicher ist: Griechenland wird in den kommenden Jahren den Gürtel markant enger schnallen müssen, sei es über Lohnkürzungen im öffentlichen Bereich, Steuererhöhungen oder Erhöhungen des Rentenalters. Andere Länder wie Spanien und Portugal haben ebenfalls Sparprogramme – wenn auch in geringerem Umfang – angekündigt. Sogar in Deutschland sind die Worte „sparen“ und „Steuererhöhungen“ nicht mehr tabu.
Die kurzfristigen wirtschaftlichen Folgen dieser Sparprogramme sind negativ. Die Bürger haben weniger Geld zur Verfügung, das sie für den Konsum verwenden können, die Kaufkraft sinkt. Es besteht das Risiko, dass die deflationären Auswirkungen der Sparprogramme zu einer langsameren als ursprünglich erwarteten konjunkturellen Erholung in Europa führen; positiv ist, dass die Inflation und die Zinsen bis auf Weiteres wohl tief bleiben werden. Der markant gesunkene Aussenwert des Euro – seit Jahresbeginn hat er sich gegenüber dem US-Dollar zwischenzeitlich um 15% (!) ermässigt – dürfte sich für einen grossen Teil der europäischen Wirtschaft, insbesondere für die exportorientierten Unternehmen, sehr positiv auswirken. Von einer Beruhigung an den Aktienbörsen sollten die europäischen Exportwerte besonders stark profitieren. Wir raten aber, noch vorhandene Bargeldreserven vorläufig an der Seitenlinie zu parkieren und abzuwarten, bis sich die Volatilität gelegt hat.
Sabina Weber Sauser, CEFA
Head Asset Management und Investment Prozess
Mai 2010
Marktüberblick
Im Mai haben sich die seit Monaten schwelenden Probleme um die europäischen Staatsschulden in einem regelrechten Börsengewitter entladen. Der von der EU und dem Internationalen Währungsfonds verabschiedete 750 Milliarden Euro schwere Schutzschild zugunsten
der Einheitswährung hat viele Fragen offen ....
Marktüberblick
Schwellenmärkte als Gewinner der Schuldenkrise?
Die Schwellenländer werden das Wachstum der Weltwirtschaft in den kommenden Jahren bestimmen. Einer der Hauptgründe für ihre Stärke ist, dass sie durch eine rasch wachsende Binnennachfrage und nicht nur durch die Exporte angetrieben werden. Hingegen ächzen die grossen Industriestaaten unter hohen Schuldenbergen. Die steigenden Staatsschulden dürften ihr Wachstum dauerhaft
bremsen. Die robuste Expansion der aufstrebenden Länder sollte auch deren Aktienkurse unterstützen. Obwohl eine konjunkturelle Abkoppelung von den Industriestaaten möglich erscheint, dürften die USA die Tendenzen an den Börsen der Schwellenländer auch weiterhin vorgeben.
Gegenwärtig sind die Aktienmärkte der aufstrebenden Staaten von der zunehmenden Risikoaversion der internationalen Anleger betroffen. Ausserdem macht den Börsen die restriktive Geldpolitik der Notenbanken zu schaffen. Steigender Inflationsdruck führte in Ländern wie Indien oder Brasilien zu Leitzinserhöhungen. Mittel- bis längerfristig könnten sich die Schwellenländer aber durchaus als Profiteure der Schuldenkrise in den entwickelten Staaten entpuppen. Im Gegensatz zu den grossen Industrieländern hat ihre Verschuldung in den vergangenen Jahren stetig abgenommen. Die aufstrebenden Staaten verfügen über einen Grossteil der weltweiten Devisenreserven und über hohe Rohstoffvorkommen.
Schwellenmärkte